Wiesnzeit – da’Grantler 2010 – MUNIQUE.TV

Liebe Freunde der gepflegten Bierkultur,

zunächst einmal möchte ich mich schon jetzt für das ein oder andere Abgleiten in die urbayrische Sprachkultur entschuldigen. Ich werde mich aber bemühen überwiegend hochdeutsche Zeilen zum Besten zu geben, da ich davon ausgehe, das es doch a zuagroaßte Saupreißn gibt, die des Heftl hier durch schmökern.

Also ich weiß ned wie es Euch geht aber ich freue mich scho’ narrisch auf die Wiesn. Endlich gesellen sich zu den Knödeln vom Schweinsbraten wieder reihenweise Lebend-Exemplare die mir aus zu eng geschnürtem Trachtengut schon fast entgegen fallen. Ja ich liebe ordentliche Dirndl und bedaure schon jetzt die norddeutschen Oktoberfest-Touristinnen, denen man zweitklassige Landhausmode als echtes Trachtenhighlight verkauft hat.

Apropos Highlight, das wird die Wiesn heuer zum 200-jährigen Jubiläum sicher auch. Sicher hat sich seit dem 17.Oktober 1810 einiges geändert aber auf dem historischen Zusatzschauplatz sehen wir ja dann was es damals alles so gab oder auch nicht gab. Eigentlich geht es ja nur darum die Fläche größer zu machen und die lustig gekleideten Reisegruppen aus Italien, Australien und anderen abstrusen Destinationen noch mehr auszunehmen.

Eine große Freude wird uns allen das ganz neue Geruchserlebnis der Bierzeltkultur bereiten. Da die staubsaugende Wirkung des Nikotindunstes mal eben durch den Entscheid des Volkes abgeschafft wurde, dürfen wir uns nun voll und ganz den schweißtreibenden Porendünsten der angetrunkenen Saufgemeinde widmen, die sich mit den hemmungslosen Bier- und Hendlfürzen der eingeschlafenen Tischnachbarn im Fetznrausch paaren. Da wird die abgestandene Moaß sicher zum ganz neuen Geschmackserlebnis und wenn der herbstliche Wind beim öffnen der Türen dann den Duft der feinen Urinate hereinweht dann hilft wahrscheinlich nur noch das eigene Volldelirium. Auf jeden Fall muss man sich die Sinne benebeln, wenn man dazu dann noch die genervte Bedienung, die schon nach dem ersten Liter versucht, eigenmächtig Ihr Trinkgeld zu erhöhen und das sehr freundliche Sicherheitspersonal aus den sozialen Bildungsbrennpunkten der Umgebung, ertragen will.

”Security” – ein gutes Stichwort – die grünen Freunde werden auch in diesem Jahr wieder dafür sorgen, das allein die Anfahrt der Theresienwiese schon zum Erlebnis wird und sich die Fahrer überteuerter Fahrradrikschas schon jetzt die Hände reiben. Wer clever ist geht zu Fuß, sofern er noch kann und manche sind gar gezwungen, weil sie entweder das Taxigeld gleich mit versoffen haben oder beim Vollrausch-Schnarchen am Kotzhügel von bandenmäßigen Taschenberreicherern erleichtert wurden.

Auf a friedliche Wiesn – da’Grantler

by Michi Seyberth for MUNIQUE Magazine 2010

Wiesn - Oktoberfest - Riesenrad - München

Wiesn – Oktoberfest – Riesenrad – München